Die Entstehung und Geschichte des Tarots
Das Tarot ist heute ein bekanntes Werkzeug für Wahrsagung, Selbstreflexion und spirituelle Entwicklung. Doch seine Ursprünge und die Entwicklung über die Jahrhunderte sind ebenso faszinierend wie die Symbolik der Karten selbst. Hier werfen wir einen Blick auf die Geschichte des Tarots und wie es sich von einem Kartenspiel zu einem spirituellen Werkzeug entwickelt hat.
Die Ursprünge: Italien im 15. Jahrhundert
Die ersten Tarotkarten, wie wir sie heute kennen, tauchten im 15. Jahrhundert in Norditalien auf. Sie wurden ursprünglich als ein Spiel namens Tarocchi verwendet. Das älteste erhaltene Tarotdeck ist das Visconti-Sforza-Tarot, das wahrscheinlich um 1440 für die einflussreiche Familie Visconti in Mailand angefertigt wurde. Es war mit kunstvollen Illustrationen versehen, die oft von der mittelalterlichen Kunst und Symbolik inspiriert waren.
Zu dieser Zeit waren Tarotkarten nichts Übernatürliches. Sie dienten als ein Spiel ähnlich dem modernen Bridge oder Skat. Das Tarotspiel beinhaltete 22 sogenannte Trümpfe (heute bekannt als die großen Arkana) und vier Farben, die den kleinen Arkana entsprechen.
Die Entwicklung zur Wahrsagung: 18. Jahrhundert
Erst im 18. Jahrhundert begann man, Tarotkarten mit Mystik und Wahrsagerei zu verbinden. Antoine Court de Gébelin, ein französischer Geistlicher und Freimaurer, veröffentlichte in den 1780er Jahren ein Werk, in dem er behauptete, die Tarotkarten hätten ägyptische Ursprünge. Er stellte die Theorie auf, dass das Tarot das Buch Thot, ein verloren gegangenes Werk des ägyptischen Gottes der Weisheit, verkörpere.
Obwohl diese Theorie keinerlei historische Belege hat, erlangte sie große Popularität. Zeitgleich begannen Wahrsager wie Jean-Baptiste Alliette, besser bekannt als Etteilla, das Tarot für okkulte Zwecke zu nutzen. Etteilla entwickelte ein eigenes Tarotdeck, das speziell für die Wahrsagung entworfen war, und veröffentlichte Bücher über die Interpretation der Karten.
Das Tarot und die Esoterik des 19. Jahrhunderts
Im 19. Jahrhundert wurde das Tarot fester Bestandteil der esoterischen Traditionen in Europa. Geheimgesellschaften wie der Hermetic Order of the Golden Dawn nutzten Tarotkarten als Werkzeug für Meditation, Kabbala-Studien und spirituelle Rituale. In dieser Zeit entstanden viele der heute bekannten Decks, darunter das Rider-Waite-Tarot (1909), das von Arthur Edward Waite und Pamela Colman Smith entwickelt wurde.
Das Rider-Waite-Deck revolutionierte das Tarot, da es für jede Karte, auch die der kleinen Arkana, detaillierte Illustrationen enthielt. Dies machte es für Anfänger leichter, Bedeutungen zu interpretieren, und trug zur Popularität des Tarots als Wahrsagungswerkzeug bei.
Moderne Entwicklungen im 20. und 21. Jahrhundert
Im 20. Jahrhundert wurde das Tarot zunehmend vielseitig genutzt. Neben der Wahrsagung dient es heute auch als Werkzeug für persönliche Entwicklung, Psychologie und spirituelle Praxis. Der Psychologe Carl Gustav Jung betrachtete das Tarot als einen Zugang zum kollektiven Unbewussten und betonte die archetypische Symbolik der Karten.
Heute gibt es hunderte Tarotdecks mit unterschiedlichsten Themen und Kunststilen. Von traditionellen Decks bis zu modernen Interpretationen – das Tarot hat sich zu einem vielseitigen Werkzeug entwickelt, das Menschen weltweit inspiriert und begleitet.
Die Geschichte des Tarots ist eine Reise durch Kunst, Kultur und Spiritualität. Was einst als Kartenspiel begann, hat sich zu einem Symbol für Selbstreflexion und spirituelle Suche entwickelt. Ob als Werkzeug zur Wahrsagung oder als Wegweiser in der persönlichen Entwicklung – das Tarot bleibt ein faszinierendes kulturelles Erbe, das sich immer wieder neu erfindet.